Review of The Silmarillion Thirty Years On

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The following review appeared in Inklings-Jahrbuch 26 (2008) on pages 297-298, and is reproduced here with kind permission.

(Review in German)

Turner, Allan, ed. The Silmarillion – Thirty Years On. Zurich and Jena: Walking Tree Publishers, 2008. 163 S., ú 8,30.

Das 30jährige Jubiläum des Silmarillion im letzten Jahr bot Allan Turner den Anlass, diese Aufsatzsammlung in Angriff zu nehmen, wobei der Akzent tatsächlich auf dem 1977 erschienenen und von Christopher Tolkien zusammengestellten und bearbeiteten Buch liegt und nicht auf dem Silmarillion-Komplex, wie er in der History of Middle-earth in seinen verschiedenen Entstehungsschichten zu Ůnden ist.

Die insgesamt sechs Beiträge beginnen mit einem seit längerer Zeit bekannten Artikel Rhona Beares, der aber eigens für diese Publikation neu bearbeitet worden ist. In diesem setzt sie sich mit dem nordischen (primär angelsächsischen, aber auch keltischen) Charakter der Mythologie auseinander, wobei sie neue Einsichten vor allem hinsichtlich des Wortes earendel im Sinne seiner Verwendung in den Blickling homilies, d. h. als Johannes der Täufer, zu vermitteln vermag.

Der zweite Beitrag von Michael Drout ist sehr autobiographisch geprägt und untersucht auf der Basis seiner eigenen Leseerfahrung des Silmarillion dessen 'nostalgischen' Charakter đ wie es gerade aufgrund seines wesentlich pessimistischeren Grundzugs und des sehr seltenen Trostes durch eine Eukatastrophe Trauer und Verlusterfahrungen in Ordnung und Schönheit umformt.

Anna Slack widmet sich Tolkiens Konzept der sub-creation in der Geschichte von Beren und Lúthien, wobei sie diese Geschichte als eine Debatte über die Natur der sub-creation und der möglichen Aufnahme in die Primärwelt liest; die Kulmination der Geschichte ist Lúthiens Gesang vor Mandos, der in die eukatastrophischen Rückkehr der Liebenden mündet.

Mit der Ainulindalë und der gegenwärtigen Forschungslage setzt sich Michaël Devaux auseinander. Dazu geht er zunächst auf die Evolution des Textes ein und untersucht anschliežend die vorliegenden Versionen und ihre Grundzüge darauf hin, ob diese ursprünglich, später, einzig oder fundamental sind. Schliežlich diskutiert er katholische Elemente, d. h. betont die Übereinstimmungen zur biblischen Schöpfungsvorstellung sowie die Rolle der Ainur und Melkors als geschaffener Wesen bei der Schöpfung der Welt.

Jason Fisher fragt zum einen nach inhaltlichen Übereinstimmungen zwischen Elias Lönnrot, Tolkien und Hieronymus, insofern alle drei ähnliche, nämlich mythopoetische Aufgaben in ihrer jeweiligen Sammlung und Kompilation von Texten durchgeführt hätten. Zudem widmet er sich auch der Rolle Christopher Tolkiens, die in ihrer mythographischen Dimension ebenfalls grože Ähnlichkeiten zu derjenigen Lönnrots und Hieronymus' aufweise.

Im letzten Beitrag des Bandes widmet sich Nils Ivar Agøy der Frage nach den Gesichtspunkten, Hörerschaften und den verlorenen Texten im Silmarillion. Dabei widerspricht er der weit verbreiteten Ansicht, das Silmarillion sei ein Teil von Bilbos "Übersetzungen aus dem Elbischen", da dies für das 1977 erschienene Werk nicht gut funktioniere, weil mindestens zwei verschiedene Erzählerstimmen präsent seien: Zum einen eine allwissende und zum anderen eine von elbischen Traditionen abhängige. Er plädiert daher dafür, das Silmarillion als Träger der "grožen Legenden", als deren Hintergrund und Umriss zu verstehen.

Wie bei den beteiligten Personen nicht anders zu erwarten, sind die Beiträge durchgängig von hoher Qualität und können auch dem schon gut informierten Leser einige interessante Einblicke in das Silmarillion bieten — dem weniger gut informierten noch einige mehr.

THOMAS FORNET-PONSE

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