Review of Tolkien's The Lord of the Rings Sources of Inspiration

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The following review appeared in Inklings-Jahrbuch 26 (2008) on pages 292-294, and is reproduced here with kind permission.

(Review in German)

Caldecott, Stratford and Thomas Honegger, eds. Tolkien's The Lord of the Rings: Sources of Inspiration. Zurich and Jena: Walking Tree Publishers, 2008. 237 S., 12,60.

Die meisten Beiträge dieses Bandes wurden als Vorträge während einer bedeutenden Konferenz im August 2006 im Exeter College (Oxford) gehalten, deren Ziel es war, das noch verhältnismäßig junge Feld der Tolkienforschung zu konsolidieren und in der Oxforder Universitätslandschaft zu etablieren — zudem sollte der internationale Austausch gefördert werden. Beides ist auch dem vorliegenden Band positiv anzumerken, in demzahlreiche namhafte Forscher vertreten sind.

Gerahmt von einer Einführung von Stratford Caldecotts und einem den Blick auf die gegenwärtige Forschungslage lenkenden Schluss von Thomas Honegger sind die zehn Beiträge drei größeren Teilen zugeordnet. Der erste, biographisch orientierte, beginnt mit einem Beitrag von John Garth, in dem dieser in bewährt akribischer Manier sich Tolkiens Zeit im Exeter College der Jahre 1911-1915 zuwendet, wobei er sich auf seine Freundschaften und extra-curriculären Aktivitä ten konzentriert und zudem die Folgen des Ersten Weltkriegs für dieses College darlegt. Peter Gilliver, Edmund Weiner und Jeremy Marshall informieren als Herausgeber des Oxford English Dictionary Revision Programme über Tolkiens Arbeit für dieses Lexikon, wozu Gilliver zunächst auf Tolkiens persönliche Beziehung zu William Craigie und Henry Bradley sowie seine (spätere) Arbeit mit Kenneth Sisam eingeht, Weiner anschließend zahlreiche Wörter nennt, die einem normalen Leser als trocken oder langweilig erscheinen mögen, von Tolkien aber in seinen Werken mit Leben gefüllt wurden, und schließlich Marshall sich mit Tolkiens Verwendung des Plural dwarves auseinander setzt. Verlyn Flieger beschließt diesen Teil mit einer aufschlussreichen, wenn auch ziemlich spekulativen Analyse der Aussagen Tolkiens zum Tod seiner Freunde Gilson und Smith im Ersten Weltkrieg, was möglicherweise unbewusst die Figur Frodo beeinflusst haben könnte.

Der zweite Teil widmet sich dem Themenkomplex "Mythos und Moderne", der als erstes von Patrick Curry mit dem Aspekt der Verzauberung ("enchantment") angegangen wird. Dieser wird zunächst als menschliche Erfahrung untersucht, bevor Curry dessen Bedeutung in Tolkiens kreativer Tätigkeit und The Lord of the Rings untersucht und dies philosophisch unter Rekurs auf Jan Zwicky vertieft. Marek Oziewicz arbeitet in seinem Beitrag Parallelen zwischen Tolkien und Giovanni Battista Vico heraus hinsichtlich der Opposition gegen den Rationalismus, der Eingebundenheit des Menschen in größere, unbewusste Strukturen, des Mythos als der Sprache der menschlichen Psyche sowie der mythopoetischen Veranlagung des menschlichen Bewusstseins (was gerade in ihrem Werk sehr deutlich werde). Schließlich analysiert Peter M. Candler die Beziehungen zwischen Philologie, Kreativität, Schöpfung, Mythen, der Rückkehr zur Vergangenheit und der Wiederkehr der Dinge bei Tolkien und Nietzsche, wobei es ihm nicht um einen Einfluss Nietzsches, sondern um die Affinität beider aufgrund ähnlicher Interessen oder Einstellungen (vor allem zur Mechanisierung der Kultur) geht.

Das Verhältnis von "Mythos und Logos" wird im dritten Teil in den Blick genommen, beginnend mit einem Beitrag Leon Pereiras, der Tolkiens und die im The Lord of the Rings vertretenen Moralvorstellungen sowie die Bedeutung der Hobbit-Perspektive für diese erläutert und somit den hohen Stellenwert des Geerdeten und Einfachen aufzeigt. Alison Milbank setzt sich auf der Basis der Thomas-Lektüre Chestertons mit den Übereinstimmungen zwischen verschiedenen thomistischen theologischen Überzeugungen und Tolkien auseinander, wobei sie zusätzlich eine große Nähe zu Jacques Maritain (und Eric Gill) ausmacht. Guglielmo Spirito vertritt die These, dass dem Werk Tolkiens eine heilende Kraft innewohne, indem es uns helfe, Grenzen zu überschreiten und in eine neue und transfigurierte Welt einzutreten, bzw. unsere Welt als eine solche wahrzunehmen. In seinem abschließenden Beitrag versucht Stratford Caldecott einige Fäden des gesamten Bandes zusammenführen und zur weiteren Forschung zu ermutigen, indem er zeigt, was Tolkiens Werk uns über England (und Tolkiens Vision bzw. Ideal desselben) sowie über das Verhältnis von Christentum und Heidentum sagen kann.

Auch wenn über manche der von den Autoren vertretenen Parallelen und Positionen sicherlich noch weiter diskutiert werden kann und sollte und leider nicht alle Vorträge der Konferenz publiziert wurden, kann dieser Band guten Gewissens empfohlen werden.

THOMAS FORNET-PONSE

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