Review of Hobbit place-names

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The following review was published in Inklings Jahrbuch vol. 30 (2013) (Frankfurt: Peter Lang Verlag, ISBN 978-3-631-62802-7) and is reproduced here with kind permission

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(Review in German)

Nagel, Rainer. Hobbit Place-names: A Linguistic Excursion through the Shire. Zurich and Jena: Walking Tree Publishers, 2012. 283 pp., CHF20,00.

Mit dieser seit einigen Jahren erwarteten Monographie legt Rainer Nagel das Ergebnis seiner Forschungen (nicht nur) zu Ortsnamen im Auenland und darüber hinaus vor. Wenngleich es sich primär um eine linguistische Arbeit handelt, ist sie doch von weitergehendem Interesse, da nicht nur Tolkiens Raffinesse und Humor bei der Auswahl und Erstellung der Ortsnamen deutlich werden, sondern nun auch philologisch weniger beschlagene Leser und Leserinnen daran teilhaben können, wie die Bedeutung(en) der Ortsnamen über die Geographie des Auenlandes oder das Kolorit der Hobbits informieren.

Im ersten von vier Teilen wird ausführlich in verschiedene Aspekte der Ortsnamenforschung und damit verbundener Fragestellungen eingeführt. Dies betrifft zunächst den Forschungsstand, wobei Nagel mit Allan Turner die Bedeutung des Auenlandes für den Rest der Tolkien'schen Welt betont. Sodann beschreibt er, wie Ortsnamen entstehen bzw. gegeben werden und wie sie klassifiziert werden können, und stellt die Entsprechungen der Ortsnamen bei Tolkien zu den realweltlichen Prinzipien heraus. Ausführlich diskutiert er ferner die Etymologie des Wortes "Hobbit", zu dem Tolkien auch werkintern eine plausible phonologische Entwicklung anbiete. DesWeiteren führt er aus, wie die Wanderbewegungen der Hobbits von den Nebelbergen bis zum Auenland als Spiegel eines realweltlichen Sprachwandels gelesen werden können, was sich in den Namen der Anführer sowie den Namen der Hobbitstämme niederschlägt. Anschlie▀end wird das Auenland selber vorgestellt, das nach Nagel am besten "as a prototypical English rural district, particularly Oxfordshire in the Midlands at the turn of the century" (34) zusammengefasst werden kann. Dabei äußert er auch eine mögliche Theorie der Muster der Ortsbenennung: In einer frühen Phase beziehen sich die Namen entweder auf topographische Eigenschaften oder auf die dort lebenden Personen, in einer mittleren auf die Siedlung selber oder ihre Position zu einer fü r die Gemeinschaft wichtigen topographischen Eigenschaft, und in einer späten behandeln sie lediglich die Funktion des Orts innerhalb der Gemeinschaft. Bevor die Einführung mit einigen kurzen Bemerkungen über alt- und mittelenglische Dialekte endet, folgt noch ein längerer Abschnitt über einige ausgewählte Hobbitnamen (sowohl Vor- als auch Nachnamen) und ihre Etymologie sowie Bedeutung. Nagel stellt auch die Theorie Helmut Peschs vor, die Hobbitgesellschaft sei ein Modell der britischen Klassengesellschaft gegen Ende des Empires, was sich bei den vier Familienstammbäumen zeige: Die Brandybucks entsprechen dem Hochadel, die Tuks dem niederen Adel, die Baggins Bürgern und die Gamgees Freibauern.

Auf diese Einführung folgen die Glossarien der Siedlungsorte im Auenland, anderer Ortsnamen im Auenland und schlie▀lich der Ortsnamen in Bree. Normalerweise sind die alphabetisch geordneten Glossareinträge folgendermaßen aufgebaut: Nach Möglichkeit steht zu Beginn ein Zitat, in dem der entsprechende Name erwähnt wird, worauf allgemeine Informationen ü ber diesen Ort folgen. Anschlie▀end erläutert Nagel die Etymologie des Ortes (oft mit Rekurs auf die Ausführungen Tolkiens in seinen Hinweisen für die Übersetzer), nennt mögliche realweltliche Vorbilder und deckt nicht nur die verschiedenen Bedeutungsebenen, sondern auch zahlreiche linguistische Insiderwitze Tolkiens auf. Schlie▀lich folgen Bemerkungen zu den verschiedenen deutschen Übersetzungen von Margaret Carroux und Wolfgang Krege (The Lord of the Rings), von Walter Scherf und Wolfgang Krege (The Hobbit) sowie von Ebba-Margareta von Freymann (Adventures of Tom Bombadil). Letztere sind nicht nur aufschlussreich bezüglich der verwendeten Übersetzungstechniken, sondern auch hinsichtlich der Weise, wie deutsche Ortsnamenselemente verwendet werden. An dieser Stelle sei anhand ganz weniger Einträge aufmerksam gemacht, wie diese zum Verständnis des Charakters des Auenlandes oder der Hobbits beitragen können: Die Beispiele Newbury und Nobottle illustrieren sehr gut "a facet of the naming principle behind place-names put to work by Tolkien to deepen the sub-creation aspect of the Shire: Nobottle, as the older place-name, is far less morphologically transparent than the younger Newbury" (107). Das die Elemente für Hafer und Gerste enthaltene Oatbarton illustriert sehr gut den agrikulturellen Charakter des Nordviertels, während die Bezeichnung "farthing" für die Viertel des Auenlandes insofern komisch wirkt, weil dieses Wort ursprünglich "Viertel" oder einen nicht festgelegten Teil eines Landes meinte, aber seit dem Mittelenglischen für 'eine vernachlässigbare Menge' verwendet wird. Schlie▀lich kann Dwaling als eines der besten Beispiele für die zahlreichen Ebenen mancher der Namen Tolkiens genannt werden: "a complex etymology in terms of real-world morphological and phonological developments, plus a hidden meaning giving a very private philological in-joke only intelligible to a trained philologist" (76).

Indem Nagel auf solche und viele andere Aspekte und Nuancen aufmerksam macht, liefert er nicht nur zuverlässige Informationen über die Ortsnamen und entschlüsselt zahlreiche für die meisten Leser und Leserinnen nicht oder kaum ersichtliche Bedeutungen, sondern macht auch deutlich, wieviel Arbeit in sie und damit in die Erschaffung des Auenlandes geflossen ist. Seine Monographie kann somit nicht nur den an linguistischen Fragestellungen in Tolkiens Werk Interessierten wärmstens empfohlen werden, sondern auch einem allgemeiner interessierten Publikum.

THOMAS FORNET-PONSE

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