Review of From Peterborough to Faëry

From Peterborough to Faëry(to the main page on From Peterborough to Faëry)

The following review appeared in Hither Shore Volume 11 (2014), and is reproduced here with kind permission.

Hither Shore is the journal of the German Tolkien Society (DTG).

Thomas Honegger & Dirk Vanderbeke (Eds.): From Peterborough to Faëry. The Poetics and Mechanics of Secondary Worlds.
Essays in Honour of Dr. Allan G. Turner's 65th Birthday
Zürich/Jena: Walking Tree Publishers, 2014, 165 S.

In dieser Festschrift für Allan Turner anlässlich seines 65. Geburtstages haben sich die Herausgeber entschieden, keinen Band zu Fragen der Übersetzung oder des Stiles bei Tolkien herauszugeben – was angesichts der Forschungsschwerpunkte des Geehrten nahegelegen hätte –, sondern sich mit vielen unterschiedlichen Autoren und ihren Sekundärwelten auseinanderzusetzen. Dementsprechend folgen nach einer kurzen Einführung mit biographischer Skizze Turners sowie seiner Bibliographie acht Aufsätze, die sich Sekundärwelten von Chaucer bis hin zu Neil Gaiman widmen, wobei ein deutlicher Schwerpunkt bei Autoren des 20. Jahrhunderts liegt.

Zu Beginn erläutert Wolfram Keller anhand von The House of Fame und dem Prolog von Legend of Good Women und dem dort geschilderten Weg des Dichters durch die drei Gehirnventrikel, welche Bedeutung dissonante Bilder bei Chaucer als Ausdruck der Imagination einnehmen, nicht mehr von Logik und Gedächtnis aufgelöst werden, sondern unvermeidbarer Ausdruck historiographischer und literarischer Narrative sind.

Andrew Listen wendet sich Robert Burns' Gedicht Tam o' Shanter zu und legt den Akzent auf den Einsatz des Übernatürlichen, der nicht nur als Spezialeffekt dient, sondern auch eine positive Anerkennung dessen impliziert, was das Übernatürliche repräsentiert, insbesondere Aspekte der menschlichen Psyche wie Genuss.

Im dritten Beitrag nimmt Julian Eilmann die Tolkien'sche Sekundärwelt unter der Perspektive des Kontextes der Romantik in den Blick und stellt dabei die Parallelen zwischen Tolkiens Verständnis eines Märchens als Vehikel seiner poetologischen Ideen mit zentralen Ideen romantischer Dichter heraus.

Einem eher unbekannten Autor, Jack Vance, widmet sich Tom Shippey, der anhand dreier Serien (Dying Earth, Planet of Adventure, Lyonesse) die besonderen Fähigkeiten Vances bei der Schöpfung von Sekundärwelten herausarbeitet und damit einen Beitrag zu dessen Rehabilitierung als höchst lesenswerten Autor leistet.

Die Bedeutung von Geschichten und ihrer Auswirkung auf konkrete Leben (mit einer ökokritischen Dimension) illustriert Doreen Triebel anhand Terry Pratchetts The Amazing Maurice and His Educated Rodents, insofern verschiedene Charaktere in diesem Buch Geschichten zur Problemlösung heranziehen und auch die Frage gestellt wird, wie wörtlich sie genommen werden können (oder sollen).

James Fanning untersucht mithilfe der Narratologie Genettes die verschiedenen fiktonalen Ebenen in Jasper Ffordes Serie Thursday Next und stellt dabei heraus, wie die zunehmende diegetische Komplexität den komischen Effekt der Serie herstellt bzw. verstärkt.

In einer detaillierten Auseinandersetzung mit einschlägigen Forschungspositionen plädiert Thomas Honegger mit Blick auf Howard Phillips Lovecrafts »Mythos« dafür, deren Dynamik anzuerkennen und nicht vorschnell auf der Basis seiner ideologischen Überzeugungen zu interpretieren. Dabei betont er auch, wie Lovecraft im Unterschied zu Tolkien die Entfremdung des Menschen von der metaphysischen Welt verstärkt.

Abschliežend diskutiert Dirk Vanderbeke mit Neil Gaiman und China Miéville zwei urbane Sekundärwelten (bzw. Sekundär-Londons), bei denen Elemente unterschiedlicher Genres wie Fantasy, magischer Realismus, Satire und Steampunk verbunden werden, und betont dabei den politischen Aspekt als Inversion oder satirische Überzeichnung.

Die durchweg sehr lesenswerten Beiträge fügen sich zu einem hochinteressanten und breiten Spektrum literarischer Sekundärwelten zusammen und illustrieren somit die herausragenden Möglichkeiten der (im wahrsten Sinne des Wortes poetischen) Sprache bei der Schöpfung von Sekundärwelten. Solche Sekundärwelten dienen nicht als Orte einer eskapistischen Flucht ohne Relevanz für die reale Welt, sondern als Zufluchtsorte bzw. Refugien, die bei der Kontingenzbewältigung helfen oder Kritik an der Primärwelt formulieren können.

Thomas Fornet-Ponse

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